Die Geschichte

         von Maria Rain

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Lang ist´s her

Geht man entlang der Wegführung des „Rosentalmarsches" von Maria Rain nach Haimach, betritt man geschichtsträchtigen Boden. Ungefähr auf Höhe des Petelinzkogels, wo ein steiler Abbruch die südliche Sattnitz vom Rosental trennt, steht man inmitten einer verschwundenen Burganlage. Dem aufmerksamen Beobachter wird kaum entgehen, daß sich das Gelände hier hoch über der Drau geradezu aufdrängt, für ein Bauwerk das Schutz vor anstürmenden Horden bieten sollte. Ob dieses Gebäude, dessen Grundrisse noch zu erkennen sind, nur guten Zwecken gedient hat, bleibt dahingestellt - die Sage erzählt anderes.

Die Steinburg

Am höchsten Punkt stand einst eine Burg, die der Volksmund heute als „Steinburg" kennt. Die zwei Wälle, die das Bauwerk umgeben haben, sind noch zu erkennen. Auch die Reste einer Mauer konnten freigelegt werden. Am Fuße dieses Hügels hat ein Jägerhaus gestanden. Der „Meierhof" soll die heutige „Trampuschhube" gewesen sein.

Die Burg könnte den „Herren zu Göltschach" als Sitz gedient haben. Es wäre möglich, daß Göltschach seinen Namen von dem Adelsgeschlecht übernommen hat. Ihre Mitglieder könnten Raubritter gewesen sein, die jetzt ihre verübten Missetaten als verwunschene Seelen abbüßen müssen. Die Sage berichtet von unterirdischen Kellerräumen, in denen Schätze verborgen sind. Auch die „wilde Jagd" soll sich hier herumtreiben. In Form von Schlangen, Fröschen und Hunden bewachen die verwunschenen Seelen die geheimnisvollen Schätze. Einen schwarzen Hund, mit einem Schlüsselbund um den Hals, will man auch gesehen haben. All diese armen Gestalten warten auf ihre Erlösung. Sie wird jedoch erst erfolgen, wenn auf dem Hügel ein Baum gewachsen ist, aus dessen Brettern eine Wiege gemacht wird. Der in der Wiege liegende Knabe wird Priester werden und bei seiner ersten Messe die Unglücklichen erlösen.

Aus Angst und zum Schutz vor den verwunschenen Seelen, wurden das „Krull-" und das „Kometterkreuz" errichtet, die in Verlängerung der Zufahrt zur geheimnisvollen Steinburg stehen.

Etwas östlich des „Petelinzkogels", auf einer der nächsten Erhebungen, hat einst eine Kirche gestanden. Dieses Bauwerk ist als Ganzes mitsamt einem großen Teil des ausgebrochen Sattnitzkonglomerates zu Tal gestürzt. Bauern aus der Umgebung fanden bei Waldarbeiten immer wieder Überreste des Gotteshauses. Leider gibt es keine Schriftstücke oder Aufzeichnungen, die genauere Aussagen und Rückschlüsse über den Zeitpunkt oder den Hergang des Unglückes zulassen würden.

Am Fuße der Erhebungen, auf denen die zwei Bauwerke gestanden sind, verlief eine im Volksmund als „Römerstraße" bezeichnete Straße. Sie führte an die Drau, zur Fährverbindung, die Guntschach mit Unterferlach verband. An der Anlegestelle fand man als stummen Zeugen eine 11 cm hohe Statue, die aus der Römerzeit stammt.

Höfe zu Drauhofen

Die erste urkundliche Erwähnung eines Namens, der mit dem Gebiet des heutigen Maria Rain in Verbindung gebracht werden kann, erfolgte im Jahr 860. Damals wurden in einem Schriftstück mehrere „curtis ad Trahove" erwähnt, die man der Gegend von Maria Rain zuordnen möchte. Diese „Höfe zu Drauhofen", wie es übersetzt wird, gingen von König Ludwig dem Deutschen an Erzbischof Aldwin. Ein „Drauhofen" scheint noch öfters in Urkunden auf. So finden sich für die Jahre zwischen 1124 und 1144 Schriftstücke, in denen ein „Hermann de Trahoven" vorkommt und im Jahr 1164 wird ein „Wilhelm de Trahoven" erwähnt. Es wäre gut möglich, daß mit den 860 erwähnten „curtis ad Trahove" Besitzungen im Bereich der sehr weitläufigen, ehemaligen Burganlage von Haimach gemeint waren.

Mariam ad Dravum

Im Jahr 927 wurde erstmals ein „sanctam Mariam ad Dravum" genannt. Historiker wollen darin die Kirche von Maria Rain erkennen. Es gibt einige Punkte die dieser Annahme widersprechen. Man kann zwar von der Kirche Maria Rain einen herrlichen Blick auf die Drau genießen, doch ist die Entfernung dorthin vermutlich zu groß, um einem Bauwerk, das an Stelle der heutigen Kirche stand den Zusatz „an der Drau" zu geben.

Auch dürfte den Menschen, die hier vor über tausend Jahren lebten, das Gelände viel zu steil gewesen sein, um dort eine Kirche zu errichten. Dazu kommt, daß Maria Rain erst 1788 eigene Pfarre geworden ist, was bei einer so alten Kirche eher verwundern würde. Vielmehr ist wahrscheinlich, daß die im vorigen Kapitel erwähnte verschwundene Kirche von Haimach mit dieser Bezeichnung gemeint war. Allein der Ort, an dem sie gestanden hat, läßt unwillkürlich eine Verbindung zur Drau herstellen. Dazu kommen die sehr alten Reste der Haimacher Burganlage, die als „Römerstraße" bezeichnete Verbindung nach Guntschach und eine in der Außenmauer der „Juanhube" in Göltschach eingemauerte Skulptur. Sie alle berichten von der langen Geschichte dieser Gegend.

Verschwundene Kirche von Haimach

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: wann und wie ist die Kirche verschwunden und warum gibt es keine Aufzeichnungen darüber? Es ist eher unwahrscheinlich, daß ein Bauwerk, auch wenn es sehr nahe am Rand des Sattnitzabbruches erbaut ist, „abstürzt". Es muß wohl irgendeine Kraft dazu beigetragen haben. Hier kommt man unwillkürlich auf ein Erdbeben, das schon in geringer Stärke manch Gesteinsbrocken aus dem Sattnitzkonglomerat herausgebrochen hat. Als Naturereignis, das zum Absturz der Kirche geführt haben könnte, käme das große Beben im Jahr 1348 in Frage. Dieses Beben, das Auslöser für den „Dobratschabsturz" war, hat auch die Hollenburg und die Radsberger Kirche schwer beschädigt. Beide wurden aber im Gegensatz zur Haimacher Kirche wieder aufgebaut. Da in diesem Jahr auch die Pest in Kärnten ausbrach, die ja zu „ein grosser sterb" im Lande führte, sind genügend Ereignisse vorhanden, die das Verschwinden einer kleinen Kirche überschatten. Wenn man zudem bedenkt, daß zu jener Zeit noch Menschen wegen „Gotteslästerei" am Scheiterhaufen gelandet sind, ist es durchaus wahrscheinlich, daß das „Verschwinden" einer Kirche als Gottesstrafe angesehen wurde, über das man lieber Stillschweigen bewahrte. Als stiller Zeuge dieses Gotteshauses gilt die an der Außenwand der „Sekaunighube" eingemauerte Madonnenbüste. Wo bleibt aber die Kirche Maria Rain? Dazu kann mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden, daß die im Jahr 1144 von Erzbischof Konrad I. an das Kloster Viktring geschenkte „ecclesiam sancte Marie Schalach" die Vorgängerin der heutigen Kirche von Maria Rain war. Dieses Bauwerk dürfte damals noch nicht sehr alt gewesen sein. Ansonsten wäre es schwer zu erklären, warum man die Bezeichnung „Schalach" für die Kirche entlieh. Schalach war ja der Name für das Gebiet um das heutige Untertöllern. Man darf sich die Kirche auch nicht als großen, steinernen Prunkbau vorstellen, sondern eher als kleinen, bescheidenen Holzbau. In ihm sollte den Mönchen und Unfreien, die das Land rodeten, der Besuch der Hl. Messe ermöglicht werden.

Erst um 1313 taucht der Name „zu unser Vraun an dem Rain" für Maria Rain auf, der aber nur kurz gebräuchlich war. Auch der Name „Seichpüchel" wird um diese Zeit erstmals erwähnt. „Seiche" ist die Bezeichnung für durchsickerndes Wasser, was sich auf den feuchten Hang beziehen könnte, auf dem die Kirche erbaut ist. Der Name scheint noch bis Ende des 18. Jahrhunderts in Zehentverzeichnissen auf. Er wurde erst später von der Bezeichnung „Maria Rain" abgelöst. Im slowenischen Namen für Maria Rain, „Zihpolje", lebt das Seichpüchl noch heute weiter, wobei hier das „püchel" für Hügel gegen das „polje" für Feld vertauscht worden ist.

Mit der Kirche kamen auch 14 Huben und weiteres noch nicht gerodetes Land an das Kloster Viktring. Um welche Huben es sich dabei gehandelt hat, geht aus der Urkunde nicht hervor. Ob die Wirtschaften „Stamitz", „Hafner", „Tomasche" und „Rasai", die den Kern von „Alt-Maria Rain" bilden, schon dabei waren, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es ist auch möglich, daß die Gegend um die Kirche erst durch die Viktringer Mönche gerodet wurde und Maria Rain eine Gründung der Viktringer ist. Jedenfalls waren die Maria Rainer Huben einst alle der Kirche „zehentpflichtig". Auch könnten Huben im heutigen Untertöllern unter den 14 gewesen sein, da auch die Wirtschaften „Schwager" und „Pack" der Kirche Maria Rain abgabepflichtig waren.

Der geheimnisvolle Ort Schalach

Ich möchte noch einmal auf die Ortsbezeichnung „Schalach" oder auch „Scalach" zurückkommen. Sie ist erstmals mit einer Urkunde aus 1144 belegt. Man nimmt an, daß sie sehr alt ist und anfangs für das Gebiet um die heutigen Huben „Hofstätter" und „Sekaunig" gebräuchlich war. Beide Höfe liegen im Bereich der sogenannten „Römerstraße", die zur Drauüberfuhr nach Guntschach führte. Der Vulgoname „Sekaunig" bedeutet soviel wie „Felsenbauer". Auch die Bezeichnung „Scalach" hat einen Bezug zum Felsen, da sie sich vom slowenischen „skale" herleitet, die Bezeichnung für den nackten Stein. Es ist daher wahrscheinlich, daß die Geländebezeichnung „Schalach" im Hofnamen „Sekaunig" weiterlebt.

Auch möglich wäre, daß Schalach die Bezeichnung für eine befestigte Stätte im Gebiet des heutigen Untertöllern war. Einen Hinweis darauf geben Urkunden aus den Jahren 1148 bis 1189 in denen von „Freien de Scalah" die Rede ist. Es finden sich auch noch andere Schriftstücke, in welchen der Name aufscheint.

So verkaufte 1296 „..da Katrey die Schelacherin dem Michel Choberer von Choetmannsdorf..." ihren Hof zu Schalach. Und 1401 ist in einer Urkunde der „...hof dacz Scgalach, da Michel Chobrer aufsitzt..." bezeugt.

Besiedelung

Wie oben ausgeführt, war das Gebiet im Einschnitt zwischen östlicher und westlicher Sattnitz schon sehr früh besiedelt. Namentlich war es der Bereich um Untertöllern, das Gebiet des heutigen Haimach bis nach Göltschach und der Bereich um Guntschach. Diese Teile der Gemeinde können als das ältestes Durchzugs- bzw. Siedlungsland in Maria Rain gesehen werden. Dazu kommt noch der Bereich um Tschedram. Hier verlief die Straße von St. Veit an die Drauüberfuhr unterhalb der Hollenburg. Es ist wahrscheinlich, daß sich entlang dieser schon bald Menschen angesiedelt haben.

Die Anhöhen der Sattnitz aber stellten für damaligen Menschen ein nur schwer zu erschließendes Gebiet dar. Bedenkt man doch, daß der Sattnitzrücken noch in der Neuzeit als „Perg" oder wie 1688 von Valvasor als „hohes Gebirg" bezeichnet wurde.

Die weitere Erschließung des Gebietes dürfte von drei Richtungen her erfolgt sein. Auf der einen Seite waren es die Herren der Hollenburg, die natürlich bestrebt waren, soviel Land im Umkreis ihres Herrschaftssitzes für sich zu gewinnen, als nur irgend möglich. Ein Indiz dafür ist, daß noch um 1848 alle Tschedramer Huben und ein Großteil der Ehrensdorfer Besitzungen Eigentum der Hollenburg waren.

Von der Ebenthaler Seite her waren es wahrscheinlich die Herren von Gurnitz und Grafenstein, die sich die Abhänge der Sattnitz hoch gearbeitet haben. Schon in einem Schriftstück von 890 werden dem königlichen Hof zu Gurnitz zwei robotpflichtige Knechte auf dem Berg bei Gurnitz bestätigt. Das könnte bedeuten, daß die östliche Sattnitz schon um 900 besiedelt gewesen ist.

Ein weiterer Großgrundbesitzer im Bereich des heutigen Maria Rain war das Kloster Viktring. Als sich im April 1142 einige Laien, Mönche und Converse von der Abtei Weiler Bettnach (Lothringen) Richtung Kärnten aufmachten, um ein Kloster zu gründen, ahnte wahrscheinlich noch niemand, welch entscheidende Rolle diese Gründung für das Gebiet des heutigen Maria Rain spielen sollte. In Kärnten angekommen, schenkte ihnen Graf Bernhard den Ort Viktring samt einigen Huben und Grundstücken.

Die Zisterzienser, die das Gebot „ora et labora" (bete und arbeite) sehr streng nahmen, begannen sogleich mit der Bewirtschaftung und Erweiterung ihrer Güter. Auch ihren seelsorgerischen Aufgaben gingen die Mönche von Viktring gewissenhaft nach. Sie bekamen daher immer wieder Schenkungen. So im Jahr 1144 die Kirche von Maria Rain. 1299 erhielten sie sechs Huben in Saberda als Gegenleistung für das Abhalten von drei Jahrestagen. Auch von Grafenstein gingen Besitzungen an Viktring. Beispielsweise 1289 eine Hube in Angern und 1308 einen Bauernbesitz in Guntschach.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß das Gebiet um das heutige Maria Rain schon sehr früh als Durchzugsgebiet genutzt worden ist. Auch die Reste von Bauwerken, die ein hohes Alter aufweisen, sind Zeugen der langen Geschichte dieser Gegend. Dazu kommen die frühen urkundlichen Erwähnungen von Ortsnamen, die dem Gemeindegebiet zugeordnet werden können. Alles ist Beleg dafür, daß die Maria Rainer Senke sehr altes Durchzugs- und Siedlungsgebiet ist.


Aus dem Buch,

"Maria Rain im Wandel der Zeit" von Hannes Kastrun

 

 
     

Mauerreste der Steinburg

 
     
   
     
     
     
     

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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